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Eine pferdige Reise um die Welt - Teil 8: Denise Heinlein berichtet über ihre Erlebnisse in Argentinien

Eine pferdige Reise um die Welt - Teil 8: Denise Heinlein berichtet über ihre Erlebnisse in Argentinien

Unsere pferdige Reise hat inzwischen schon in vielen Ländern halt gemacht. Nach Deutschland, Frankreich, der Mongolei, Großbritannien, Spanien,den Emiraten und Österreich machen wir uns heute nochmal auf. Während bei uns der Herbst endgültig Einzug hält, geht's für uns diesmal auf den Südamerikanischen Kontinent. In das Land der Gauchos,Criollos und ihrer großen Herden - ab ins sonnige Argentinien. Denise Heinlein war lange Zeit Chef-Instruktorin bei Monty Roberts in Kalifornien. Vor einigen Wochen hat sie Argentinien besucht und lässt uns heute an ihren großartigen Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben:

Denise auf einem Polo-Pferd Quelle: Denise Heinlein Denise auf einem Polo-Pferd | Quelle: Denise Heinlein

Argentina mi nuevo amor (von Denise Heinlein)

Als ich mit Melanie vor einem Jahr vage ausgemacht hatte, sie in Argentinien zu besuchen, hatte ich  noch so mein Zweifel, ob das wirklich Alles so kommt. Tatsächlich haben wir den Worten Taten folgen lassen und - schwups - ich bin nach Argentinien gereist. Nach dem Motto: Demonstration in La Rural. Oh mein Gott! 
Aber eins nach dem anderen...

...erstmal, wie es eigentlich dazu kam

Die letzten 4 Jahre habe ich bei Monty Roberts als Head Instructor in seinem Internationalen Learning Center in Kalifornien gearbeitet. Wie der Name schon sagt, war das Publikum dort bunt gemischt und ich habe durch meine Arbeit viele Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt und unterrichtet. Darunter war auch Melanie aus Argentinien. Sie hatte dort die Ausbildung zum  "Monty Roberts Instructor" absolviert und wir waren uns von Anfang an sympathisch. Während ihrer Ausbildung auf der Farm hat sie mir schon viel über die Polowelt und Argentinien erzählt.  Melanie schloss ihre Ausbildung bei mir erfolgreich ab und ist nun die erste Monty Roberts Instruktorin in Argentinien. Mein Besuch sollte sie in ihrer Anfangszeit etwas unterstützen und wir wollten eine kleine Vorführung für die Argentinische Polo Assotiation organisieren. Daraus ergab sich, dass die Organisation uns eingeladen hat, bei der jährlichen Pferde-Messe "La Rural", eine Vorführung zu dem Thema „Training und Einreiten von Jungpferden“ zu geben.

Traditioneller Argentinischer Reiter auf der La Rural Quelle: Denise Heinlein Traditioneller Argentinischer Reiter auf der La Rural | Quelle: Denise Heinlein
Die Polo-Crew Quelle. Denise Heinlein Die Polo-Crew | Quelle: Denise Heinlein

„Domadoras de Monty Roberts“!

Was für eine Chance! Natürlich waren wir ganz schön aufgeregt.

Polo - eine Traditionssport

In den 3 Wochen der Vorbereitungen auf das Event haben wir in zwei verschiedenen Polo Clubs (Los  Cocos und La Aguada) in Open Door, einen berühmten Polo-Ort in Argentinien, Polo-Pferde trainiert und eingeritten. Es waren wirklich unglaublich schöne Anlagen und wahnsinnig viele Pferde. Frauen sind  in der hiesigen männerdominierten Polowelt eine absolute Seltenheiten. Ich habe erfahren, wie viel Arbeit in so einem Polopferd steckt, wie viele Trainingsspiele die Jungpferde spielen und wie sie auf ihre Profizeit vorbereitet werden. Bei diesem Sport gibt es unzählige Grooms, Pilotes, Players und Patrons, die alle die Leidenschaft für diesen rasanten Sport teilen.

Ich wurde über die Tatsache aufgeklärt, dass im Polobereich in Argentinien nicht mehr traditionell gezüchtet wird. Es werden nur noch Embryos gekauft und das Klonen guter Stuten ist eine normale Vorgehensweise. Zum Beispiel gibt es Spieler, die einen String (so nennt man die Gruppe an Pferden, die ein Player bei einem Match reitet) aus geklonten Pferden haben. Wenn man es richtig betrachtet, reiten die dann also siebenmal die gleiche Stute reiten!

Mate-Tee Quelle: Denise Heinlein Mate-Tee | Quelle: Denise Heinlein

Abwarten und Tee trinken

Das richtige Mate-Tee trinken will gelernt sein - und auch wie man das Gebräu zubereitet und serviert.  Auch, dass bei den Argentiniern generell alles eher ein bisschen "tranqui" (also ruhiger) zugeht und dass bei Regen keiner zur Arbeit kommt - daran muss man sich als Europäer (und erst recht als Deutsche) erstmal gewöhnen.

Zauberhaftes Argentinien

Was ich besonders auffällig fand, waren die unzähligen Vogelarten die man überall beobachten kann. Besonders der sogenannte Tero ist eine unglaubliche Nervensäge! Diese Vögel machen unendlich viel Lärm und scheinen sich einen Spass daraus zu machen die Pferde zu erschrecken! Überzeugt euch selbst, hier ein kleines Video:

[video width="848" height="480" mp4="https://magazine.4hooves.de/de/wp-content/uploads/2017/09/Tero_Kurz.mp4"][/video]

Die kleinen Bodeneulen aka „kleine Ballies“ fand ich besonders süß und hätte am liebsten eine gezähmt und als Haustier gehalten - ein bisschen wie bei Harry Potter.

Buenos Aires Quelle: Denise Heinlein Buenos Aires | Quelle: Denise Heinlein

Tradition und Moderne

Natürlich habe ich auch die Hauptstadt  Argentiniens besucht. Buenos Aires ist beeindruckend und hip mit einem riesigen, kulturellen Angeboten. Nur vom berühmten argentinischen Tango habe ich leider nichts mitbekommen. Ich hatte mir immer vorgestellt man würde an jeder Ecke in Buenos Aires Tango-Tänzer finden.

Für mich als Deutsche war auch die Liebe der Argentinier zu ihren Traditionen und die Hingabe, mit der sie diese pflegen, sehr erstaunlich. Das hat mich schwer beeindruckt. Selbst die junge Generation denkt nicht im Traum daran, ein Abklatsch von irgendwelchen amerikanischen Vorbildern zu werden. Vielmehr sind auch die jungen Argentinier stolz auf die Kultur und Tradition des eigenen Landes. Weit verbreitet ist noch immer die argentinisch traditionelle Kleidung, bestehend aus der Bombacha del Campo ( Hose) und Alpagartas (schauen aus wie Toms, Stoffschuhe), mit Schärpe und Boina (die Baskenmütze). Besonders in den ländlichen Regionen wird dies sehr gelebt. 

BBQ auf Argentinisch Quelle: Denise Heinlein BBQ auf Argentinisch | Quelle: Denise Heinlein

Zu Besuch bei einem Domador

Melanie hat mich mit zu einem Bekannten genommen, der junge Polopferde ausbildet, ein sogenannter „Domador“. Der hieß Joaquin und er und seine Familie haben Land in der Provinz Buenos Aires und leben dort - wirklich mitten in der Pampa. Das Interesse an den "neuen Konzepten" des Pferdetrainings, die Melanie und ich mitbringen war groß. Joaquin hatte extra Freunde und Familie eingeladen, damit sie uns bei der Arbeit  zusehen konnten. Bei der typischen Asado Argentino - wie das traditionelle BBQ genannt wird, das natürlich niemals fehlen darf, wenn man sich trifft - konnten wir uns mit drei Generationen von Pferdeleuten austauschen. Die Geschichten die dort erzählt wurden waren faszinierend.

Ein Paradies für Pferdeliebhaber

Alles in Allem war Argentinien für mich als Pferdeliebhaber ein Paradies. Was ich erleben durfte hat mich nachhaltig beeindruckt. Die Leidenschaft für die Pferde, egal ob Polopferd oder Criollo, ist weit verbreitet und wird mit viel Stolz praktiziert. Natürlich gibt es auch diverse Nachteile und Defizite, besonders da Tradition bekanntlich nicht immer die fortschrittlichste Vorgehensweise ist. In Sahen Pferdetraining hat sich aber auch dort sehr viel geändert und verbessert, vor allem zugunsten der Pferde. Mit begabten und talentierten Trainern wie Melanie und Joaquin, der auf der La Rural sein Trainingspferd als Gran Champeon Macho platziert hat, wird zwar die Tradition gewahrt, diese wird aber mit dem Wissen der heutigen Zeit kombiniert. Auch das zahlreiche, positive Feedback nach unserer Vorführung spricht für die Offenheit der Leute für neue Methoden und somit der Möglichkeit eines positiven Wandels in der Polowelt Argentiniens. Ich hoffe sehr, Argentinien bald wieder besuchen zu können, um die Saison der Polospiele in Palermo einmal live mitzuerleben und durch Patagonien zu reiten. Die Iguazu Wasserfälle durfte ich zum Glück dieses Mal schon bewundern. Wie der Titel schon sagt:

Argentinien meine neue Liebe. Wir sehen uns ganz bestimmt wieder!

Denise Heinlein hat uns im Rahmen der Trainerserie bereits Rede und Antwort über ihre Wurzeln, ihre Erlebnisse auf der Ranch von Monty Roberts in Kalifornien und ihre Methoden verraten. Hier gehts zum Teil 1 des Interviews. Mehr über Denise gibt es auf www.interequus.de. Sie wird 2018  wieder in Deutschland sein und ist gerne auch für Kurse etc. verfügbar.

theresa
theresa