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Reiten Dressur

Dressurarbeit im Gelände mit Anna Jantscher

Dressurarbeit im Gelände mit Anna Jantscher

Besonders nach dem langen Winter sehen wir Reiter uns danach die Reithalle zu verlassen, aber natürlich ohne die wertvolle Arbeit der letzten Monate wieder auf Eis zu legen. Anna Jantscher hat ein paar wertvolle Tipps, wie die Dressurarbeit im Gelände gelingt. 

Dressurreiten im Gelände

Die Dressurarbeit ab und an ins Gelände zu verlagern ist für viele Reiter nicht nur einfach eine schöne und sehr effektive Abwechslung, sondern für viele die einzige Möglichkeit ihr Pferd regelmäßig ordentlich zu gymnastizieren.

Die Ausrede „Ich reite ihn/sie aber nur im Gelände“ wird sich, denke ich, nach dem Artikel leider als unzureichend herausstellen. (Also wer diese Ausrede weiterhin geltend machen möchte, bitte nicht weiterlesen ;).)

Beim Aufbau unseres Berittstalles hatten wir anfangs nur ein kleines Reit„zimmer“ und unsere Wiesen zur Verfügung. Da aber einige meiner Kunden quasi darauf bestanden haben, dass ich ihre Pferde trotzdem in Beritt behalte oder nehme, hieß es für mich etwas kreativ werden, gewisse „Sandkastenreitersorgen“ über Bord zu werfen und mit dem zu arbeiten, was mir zur Verfügung stand.

Dressurreiten im Schnee Dressurarbeit im Schnee | Quelle: Anna Jantscher

Was soll ich sagen? Anfangs dachte ich täglich, ich höre einfach auf zu reiten!! Es war eine Katastrophe! Natürlich waren meine Pferde „geländesicher“, aber zwischen dem Ausreitbummeln und dem Versuch, ernsthaft Dressur auf einer Wiese oder einem Feldweg zu reiten, lagen tatsächlich Galaxien…

Lektionen, die auf dem ebenen, geraden Boden eines Dressurvierecks in vermeintlicher Leichtigkeit funktionierten, schienen plötzlich unmöglich. Das Wort Balance war mir und meinen Pferden mit einem Mal wieder fremd geworden.

Nun  ja, Herausforderung angenommen. Es bedurfte einiger Änderungen mit verschiedensten Ansätzen. Ich erwarte von meinen Pferden nun anderes und arbeite meine Pferde viel stärker in Richtung eines eigenständigen Suchens nach der optimalen Balance anstatt immer alles 100% kontrollieren zu wollen. Der Wunsch nach Perfektion wich einem Wunsch nach einem optimalen Zusammenarbeiten und einem einander „Helfen“ in Balance zu bleiben usw. Die Pferde dankten es nicht nur mit deutlich mehr Engagement, Freude und Ausdruck, sondern auch die körperliche Verfassung meiner Pferde war nie besser. Durch die permanente Notwendigkeit sich an diverse Untergründe, Unebenheiten und sonstiges anzupassen, wurde die Tiefenmuskulatur trainiert wie im Viereck nie zuvor.

Geländereiten auf unterschiedlichen Böden Wechselnde Untergründe tragen zur Stärkung der Tiefenmuskulatur bei | Quelle: ElFa Fotografie

Es geht eben doch! Und je mehr man diesen Umständen ausgesetzt ist, desto kreativer wird man. Mittlerweile stehen mir durchaus auch andere Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung (das hat natürlich auch seine Vorteile, und als Bereiter sehe ich das auch durchaus als eine Notwendigkeit), allerdings gehe ich immer noch regelmäßig mit all meinen Pferden auf die Wiese und ins Gelände. Nun werden wir sogar einen eigenen ExtremTrailPark bauen, um Hindernisse und Gegebenheiten noch präziser und vor allem vom Wetter unabhängiger üben zu können.

 Gymnastik im Gelände

Einige meiner Lieblingsbeispiele für Gymnastik sind:

Die Arbeit am Hang
Hier kann man das Pferd wunderbar sowohl an Schub (bergauf, auch hier sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt, Schlangenlinien, Übergänge, Seitengänge etc.) als auch - bei guter Arbeit - an ein Schließen heranführen (z.B. im ruhigen Schritt gerade den Berg hinunter; später gespickt mit ganzen Paraden bis hin zum Rückwärtsrichten, zur Piaffe oder sogar zu einem Galopp bergab…). Natürlich muss der Grad der Steigung, die Wahl der Übungen und natürlich auch die Intensität immer an den Ausbildungs- und Konditionsgrad des jeweiligen Pferdes angepasst werden. (Wem hier gar keine passende Fläche zur Verfügung steht, kann in den meisten Ställen nach Absprache auch schon mal eine Weidefläche benutzen.)

Steile Kletterpassagen und kleine Sprünge
Auch hier bietet sich in den meisten Geländen bei genauerem Hinschauen fast immer irgendwo eine Möglichkeit. (z.B. kleine Böschungen und Seitengräben oder Ähnliches. Wem es hier wieder komplett an Möglichkeiten fehlt, kann in der näheren Umgebung meist einen Stall mit einer Vielseitigkeitsstrecke finden, die - auch wenn man keine Springkoryphäe ist - interessante Möglichkeiten bietet. Das machen wir z.B. bei einigen meiner Kurse auch so, damit ich nicht stundenlang hinter jedem Reiter durchs Gelände laufen muss;)!

Geschicklichkeitsübungen auf unebenem Boden oder im Unterholz
Wem hier nichts Passendes zur Verfügung steht, der kann z.B. mal aus den in den meisten Ställen vorhandenen Cavalettis einen wild durchgewürfelten Stangensalat zaubern.

Gymnastizierung im Gelände Biegung im Gelände - Nutzen verschiedener natürlicher Hindernisse | Quelle: Anna Jantscher

Biegende Übungen, Wendungen, Seitengänge oder sogar Spiele mit Galoppwechseln um Bäume (Achtung auf die Knie;)) oder Wasserlachen

Gruppenübungen mit mehreren Pferden
Dabei auf unabhängiges Reiten achten! (Gruppe trennen, aufeinander zu, aneinander vorbei, einer reitet weg, dreht um etc.)

Balancehindernisse verschiedenster Art (dazu mehr im nächsten Artikel)

Bei all diesen Übungen ist natürlich immer darauf zu achten keine Flurschäden zu hinterlassen, da es sonst ganz schnell vorbei ist mit Spaß im Gelände. ;) Wer tiefer in das Thema eintauchen will, für den stehen ab Ende des Jahres Webseminare zu diesen sowie zu diversen anderen Themen zur Verfügung. :) Weitere Beiträge zum Geländereiten findet ihr hier. Wer Anna eine Anfrage senden möchte oder sich weiter über ihr Angebot informieren möchte, kann ihr Trainer-Profil auf 4Hooves nutzen. 

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Henny Klein
Henny Klein