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Reiten

Eine pferdige Reise um die Welt - Teil 9: Brasilien

Eine pferdige Reise um die Welt - Teil 9: Brasilien

Inzwischen hat uns unsere Weltreise an die verschiedensten Orte gebracht. Nach Deutschland, Frankreich, der Mongolei, Großbritannien, Spanien,den Emiraten und Österreich hat uns Denise Heinlein letzte Woche über ihre Erlebnisse und Abenteuer in Argentinien berichtet. Argentinien ist generell das südamerikanische Land, an das man beim Thema Pferde und Reiten zuerst denkt, doch gibt es noch ein weiteres Land auf dem südamerikanischen Kontinent, dessen Pferdewelt höchst vielseitig ausgeprägt ist und das weltweit beachtet wird - Brasilien. Das Land bringt seit langem regelmäßig großartige und überaus erfolgreiche Pferd-Reiter Kombinationen in allen Bereichen des Reitsports hervor. Brasilien hat für Pferdefreunde sehr viel zu bieten, von ganz besonderen Pferderassen und Events über Pferdezucht und Trainingsbetriebe, bis hin zu Urlaub im Sattel, es ist für jeden etwas geboten.

Die Marcha

Eine einmalige, in Brasilien gezüchtete Pferderasse ist der Mangalarga Marchador. Die Rasse geht auf die "Altér Real Pferde" zurück, welche im Zuge der Flucht des portugiesischen Königshofes vor Napoléon,Anfang des 19. Jahrhunderts, nach Brasilien kamen. Dort angekommen wurden die Tiere überwiegend mit Berberpferden und von der iberischen Halbinsel stammenden Arbeitspferderassen verpaart. Das Ergebnis ist ein freundliches, unkompliziertes, unerschrockenes Pferd mit einem Stockmaß um die 150cm. Optisch ähneln sie iberischen Pferden, es kommen generell alle Fellfarben vor. In der Zucht dieser Pferde wurde systematisch auf weichen Gang selektiert. Das Ergebnis ist die Gangart "Marcha", eine dem Tölt verwandte Gangart. Hier ein kleines Video, das ein kurzes Portrait dieser Pferderasse in ihrer Heimat Brasilien zeigt. Allein die Landschaftsaufnahmen machen es sehr sehenswert:

Brasilianische Pferderassen

Im Laufe der Zeit wurden die brasilianischen Mangalarga Marchador Pferde mit diversen anderen anglo-sächsischen Gangpferderassen wie Morgan, American Saddle Horse und Hackney gekreuzt. Daraus entstand eine weitere Pferderasse, der sogenannte Mangalarga Paulista. Diese Rasse hat ein eigenes Zuchtbuch und wird ganz getrennt von den Mangalarga Marchador geführt. Auch eine robuste Kleinpferderasse, die sogenannten Campeiros stammt aus Brasilien. Diese Tiere sind Abkömmlinge der spanischen Pferde, die von Jesuiten in die Santa Catarina Hochebene mitgebracht wurden. Später verpaarte man diese Kleinpferde mit englischen und arabischen Vollblütern, was ihren Körperbau und ihre Brauchbarkeit für Rinderarbeit und für die beliebten Raia-Pferderennen (= Pferderennen wie sie auch in England bei Volksfesten häufig stattfinden) optimierte. Dennoch war die Rasse in den 1970er Jahren ernsthaft vom Aussterben bedroht. Seitdem bemüht sich der Züchterverband "Associação Brasileira de Criadores de Cavalo Campeiro" (ABRACCC) um die Erhaltung der Rasse. Cameiros werden bis heute eingesetzt. Hauptsächlich als Hirtenpferde, Reitpferde und auch als leichte Zugpferde. Es gibt vor allem die Farben Fuchs, Braun und Grauschimmel. Ein weitere, recht auffällige, aus Brasilien stammende Pferderasse ist das Campolina - Pferd. Diese Tiere haben ein Stockmaß von 150–160 cm, sind häufig Falben aller Ausprägungen und sind allgemein als überaus freundliche und sehr sanfte Pferde bekannt. Die Pferde sind unkompliziert und in sich gefestigt. Die gesamte Rasse geht auf die Anpaarung einer schwarze Berberstute mit einem Andalusierhengst zurück. Das aus dieser Kreuzung entstandene Hengstfohlen war ein Mausefalbe und erhielt den Namen Monarca. Dieser Hengst gilt als der Begründungshengst der Campolinas. In den letzten 150Jahren wurden Pferde, die dieser Abstammung entspringen mit Anglo-Normannen, Clydesdales, Holsteinern, American Saddle Horsees und Mangalarga Marchadores gekreuzt. Letztere sollten die Campolina-Zucht veredeln. Ein besonders auffälliges Merkmal dieser Rasse ist eine bestimmte Form des Kopfes. Der sehr ausgeprägte Ramskopf ist überaus markant und erinnert sehr stark an die  Kopfform eines Elches. Ebenfalls häufig genutzt werden brasilianische Ableger der ursprünglich aus Argentinien stammenden Criollos. Diese Pferde kommen vor allem zum Viehhüten zum Einsatz. 

Pferd Quelle- Viktor CAmilo Flikr Campolina Pferd | Quelle: Viktor Camilo; Flikr

Pferdezucht und -sport in Brasilien

Brasilien ist ein Pferdeland, in dem nicht nur die dort heimischen Rassen vorrangig gezüchtet werden. So befindet sich zum Beispiel die weltweit größte Lusitano Zucht in Brasilien, organisiert ist sie in einem  Verband. Die dort gezüchteten Tiere versorgen von allem den nordamerikanischen Markt mit exquisiten und edlen Lusitano-Pferden. Außerdem ist Brasilien, mit einem Bestand von über 500.000 registrierten Tieren, neben den USA, das Land mit den größten American Quarter-Horse-Zuchtbeständen weltweit. Ebenso wie hinter der Lusitano Zucht steht auch bei den Quarter Horses ein großer Industriezweig hinter den Tieren, was für tausende von Arbeitsplätzen sorgt. Der brasilianische Reitsport wird generell von der "Confederação Brasileira De Hipismo" organisiert, dem brasilianischen Pendant zur FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung). Die Pferdezucht in Brasilien hat also durchaus einen Einfluss, auch auf die Entwicklung mehrerer Rassen.  Abgesehen davon zählt Brasilien bei einigen Reitsportarten, allen voran Springreiten und Polo, zu den führenden Nationen weltweit. Von Olympiasiegern bis hin zu Weltmeistern reichen die Erfolge. Auch in anderen Disziplinen, wie Vielseitigkeit, Dressur und Reining, gibt es viele erfolgreiche, aus Brasilien stammende Reiter. 

Rinder in Brasilien Quelle: Viktor Camilo, Fikr Rinder in Brasilien | Quelle: Viktor Camilo, Fikr

Brasilianische Cowboys

Doch die Pferde Brasiliens werden nicht nur im Sport eingesetzt. In den Weiten der Pampas und den ausgedehnten Hochebenen weidet bis heute ein gigantischer Vieh­bestand von circa 220 Millionen Rindern, die nach wie vor von berittenen Viehhirten gehütet werden. In Argentinien, was ja immer als Rinderherdenland Nummer 1 beschrieben wird, gibt es, im Vergleich dazu, gerade einmal einen Rinderbestand von circa 40 Million Rinder. Die enorme Größe der Herden bedarf natürlich einer großen Anzahl von Gaúchos oder Vaqueiros, wie die Cowboys in Brasilien genannt werden - und das ist auch heute noch so. 

Reiterferien in Brasilien

Brasilien ist ein Land, in dem Reiterurlaub auf jeden Fall ein Erlebnis wird. Das Land ist ein wahres Paradies für Pferd und Reiter. Es ist gigantisch und exotisch, dabei bietet sich seinen Besuchern  eine einzig­artige Auswahl zwischen unglaublich schönen Natur­wundern und einer Reihe kultureller Höhe­punkte. Regionen abseits der welt­berühmten High­lights bezaubern oft mit land­schaft­liche oder kulturellen Besonderheiten, die das Herz eines jeden Reisenden höher schlagen lassen.
Brasilien besticht mit einer faszinierenden Vielfalt und großen Kon­tras­ten. Zudem ist es ein überaus schönes und reiches Land, das über geradezu un­er­messliche natürliche Ressourcen verfügt. Das ­Portfolio ist unfassbar weit gefächert - es reicht vom Tief­land am Amazonas, dem undurchdringlichen Regen­wald, dem  sub­tropische Hoch­land Süd­brasiliens, den Feucht­gebieten des Pantanals und den Savannen Zentral­brasiliens über die Ur­einwohner und die Nach­fahren von Kolonisten und Sklaven hin zu hochmodernen Städtern. Das brasilianische Lebensgefühl spring sofort über, bei den freund­schaftlich-spontanen Be­geg­nungen mit der multi­kulturellen brasilianischen Bevölkerung. Die Brasilianer laden ihre Gäste sofort und ganz ohne Berührungsängste gern zur Teilnahme an ihren tradi­tionellen Festen, herz­haften BBQ's und exotischen Getränke ein. Da kommt gleich das Gefühl auf, in eine große Familie auf­genommen zu sein. All das macht Brasilien zu einem einmaligen Land und jede Reise dorthin sicherlich zu einem unver­gesslichen Erlebnis.

theresa
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