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Jadasa Jablonowski: Das Geheimnis der Ausbildung – Teil 3

Jadasa Jablonowski: Das Geheimnis der Ausbildung – Teil 3

In Teil1 unseres Interviews mit Dasi spricht sie über Ursprünge und ihre ergeizigen Ziele. Im Teil2 erzählt sie über Equipment und ihre Lieblingsdisziplinen.

Wieviel Zeit gibst du dir beim Anreiten? Wie gehst du vor? Oder hast du einen Partner der die Pferde anreitet und du sie dann übernimmst sobald es um die Ausarbeitung der jeweiligen Disziplin geht?

Also beim Anreiten geb ich mir so viel Zeit wie das Pferd braucht. Ich denke mal es ist ein ganz guter Zeitstrahl zu sagen vom 1. Mal drauf sitzen bis auf einem Turnier Pleasure oder Hunter zu reiten nehme ich mir ein Jahr Zeit. Ich bringe dem Pferd bei sich selbst zu tagen. Auch wenn ich die Pferde nicht in der Hunter oder Pleasure showe, weil sie nicht die Gangqualität haben und sie trotzdem erst lernen müssen ihren Körper zu nutzen, bevor ich mit anderen Disziplinen anfange.

Danach bringe ich dem Pferd Stück für Stück eine Disziplin nach der anderen bei. Deswegen dauert es so lange das All-Around Pferd auszubilden, weil einfach eine Disziplin nach der anderen dazu kommt. Das ist wie ich vorgehe. Es ist nicht so, dass ich die Pferde wo anders hinschicke zum Anreiten und es dann übernehme. Ich hab idealerweise den Anspruch, wenn ich ein All-Around Pferd ausbilde, es auch anzureiten.

Du machst es auf jeden Fall am liebsten selbst?

Ja klar.

Hast du eine bevorzugte Methode die Pferde anzureiten?

Ich gewöhne das Pferd im Round Pen an den Sattel und dann setzte ich mich drauf. Die ersten Tage lass ich mich beim Aufsteigen noch festhalten und bei schwierigen Kandidaten lass ich mich longieren. Ich möchte spätestens am zweiten Tag nach dem ersten Draufsitzen Schritt, Trab und Galopp reiten. Dann nach ungefähr einer Woche fange ich an zu lenken und sobald ich Lenken kann, gehe ich in die Halle.

Wie läuft eine Pferde Aus- oder Weiterbildung dann idealerweise für dich ab?

Mein Traum wäre - und vielleicht komm ich dort irgendwann hin - das Pferd zum Anreiten zu bekommen und dann 5 Jahre Zeit zu haben um es komplett auszubilden. Aber das ist selten Realität. Meistens läuft es so - ich hatte da grad auch eine Anfrage. Die Kunden möchten Ende des Jahres ein Pferd bringen. Ich frage wie alt ist das Pferd: "ja 3" – na da wird es schon Zeit mit dem Reiten. Da war die Antwort: "Ja...reiten tu ich den schon, im Schritt und Trab, aber nicht im Galopp". Dabei braucht der Galopp doppelt so viele Kilometer wie der Trab.

Also solche Pferde kommen dann, wenn es selbst zu Hause nicht geklappt hat, irgendwann zum Trainer. Und auch wenn sie ein Jahr bleiben, reicht das natürlich nicht um sie umfassend auszubilden. Es ist schwierig, denn ich denke oft, wie toll das Pferd werden könnte, wenn es noch 2 Jahre bleiben könnte. Ich hab zum Glück einen Wallach, den hab ich jetzt seit 3/4 Jahren im Training und der ist jetzt langsam an nem Punkt, wo ich sage: "Der ist echt gut“.

Was motiviert dich Pferde auszubilden?

Was mich täglich motiviert die unterschiedlichen Pferde zu reiten, die ich im Stall habe, ist die Unterschiedlichkeit der Pferde, ist die Tatsache zu sagen, ich kenne dieses Pferd und ich weiss wie ich dieses Pferd weiter bringe. Das heisst nicht unbedingt, dass das genau derselbe Weg sein muss, jedes Pferd ist anders, das ist für mich eine Herausforderung. Das Ziel bei allen Pferden ist dasselbe. Und natürlich möchte ich mit allen Pferden ans Ziel.

Da muss ich kurz einen Schlenker machen: Das Gefühl in den Händen und den Beinen ist der Schlüssel der Reiterei. Und genau das kann einem überhaupt keiner beibringen. Das muss man sich selber erarbeiten und muss sich selber damit auseinandersetzen. Ich bin ein Mensch, der sehr viel darüber nachdenkt, was ich tue und liege oft abends im Bett und denke über die Pferde nach, die ich an dem Tag geritten bin. Ich denke drüber nach, was ich am nächsten Tag noch besser machen kann oder ausprobieren will. Hab Ideen, kann nicht einschlafen, weil ich lieber reiten gehen würde und weil ich irgendeine glorreiche Idee habe, was ich ausprobieren kann.

Das ist mein Antrieb, der mich zu den hohen Zielen oder diesen Höhen geführt hat. Den nächsten Schritt schon im Gehen anzupeilen aber trotzdem Geduld haben, bis die Schritte stabil werden. Wo geh ich hin, wie soll ich das schaffen, was kann ich noch besser machen, um besser zu werden?

Zurück zur Ausbildung: Mein grundlegender Anspruch an die Reiterei ist, ständig darüber nachzudenken, wie sag ich Jemandem etwas ohne reden zu können. Die Ausbildung eines Pferdes bzw. generell die Kommunikation mit einem Pferd erfolgt nur über Aktion/Reaktion über non-verbales Verständniss und man muss in jeder Sekunde überlegen, was für eine Aktion man tätigt und was für man für eine Reaktion erwartet. Es ist wahnsinnig schwierig alles in Worte zu fassen, weil die Reiterei eben mit Gefühlen zu tun hat. Um so schöner ist es dann für mich, wenn es funktioniert. Wenn ein Pferd mich versteht ohne dass ich rede. Wenn ein Pferd das erste Mal versammelt galoppiert - das ist der erste echte Meilenstein. Dieser und jeder weitere Meilenstein gibt mir so viel zurück. Das ist die Motivation.

CHIAROSCURO CHIAROSCURO mit Dasi | Quelle: Jadasa Jablonowski

Gibt es ein Alter in dem sich abzeichnet, das ein Pferd zu Höchstleistungen im Sport fähig ist, oder ist es individuell unterschiedlich?

Also das Gute an den, ich sag mal, "Bewegungsklassen" ist, dass man das eigentlich schon als Absetzer sieht ob sich ein Pferd bewegen kann oder nicht. Sowohl das Talent für Pleasure oder Hunter, bei geschultem Auge sieht man bei den Absetzern - die Bewegungsqualität. Aber man braucht natürlich auch die Trainingbarkeit im Kopf. Was ein Pferd für einen Kopf hat, sieht man leider erst einige Monate nach dem Anreiten, wenn es mal körperlich schwierig wird für's Pferd. Aber im Allgemeinen würde ich sagen, dass ich bei einem 2 jährigen sehr gut einschätzen kann. Was da mal draus wird.

Wie trainierst du deine Pferde in der Wintersaison?

Genau so wie in der Sommersaison. Besonders nutze ich die Wintersaison, um neue Sachen anzufangen, zum Beispiel im Trail, oder Galoppwechsel, um dann in der neuen Saison den einen oder andere Disziplin mit einem Pferd anfangen zu können.

Mit deiner Vita kannst du sie dir aussuchen. Nach welchen Kriterien suchst du die Pferde aus, die du ins Training nimmst?

Also die Pferde die ich aussuche, suche ich nach guten Bewegungen und gutem Kopf aus. Wenn sie noch dazu süß schauen, um so besser (lacht)

Wie lange bleiben sie in der Regel bei mir?

Ich hab angefangen Pferde nicht mehr für weniger als ein Jahr zu nehmen, denn auch ich möchte den Pferden keinen Druck machen, um denen etwas beizubringen. Bei mir ist es so nach 3 Monaten auch überhaupt erstmal die Pferde kennen gelernt habe und den richtigen Trainingsplan aufgebaut habe. Wenn dann die Pferde wieder nach Hause gehen, ist es weder fürs Pferd oder für den Kunden, noch für mich, sehr befriedigend. Deswegen hab ich aufgehört für so kurze Zeiträume Pferde ins Training zu nehmen.

Sicher ist es schwierig Pferde oder Klienten abzulehnen. Ist das schon vorgekommen? Wie bringt man einem Pferdebesitzer bei, dass sein Pferd evtl nicht für die Höchstleistung geschaffen ist, die der Besitzer sich wünscht?

Ich rede mit meinen Kunden, bevor die Pferde ins Training kommen ganz klar über die Ziele und verspreche nichts, was ich nicht halten kann. Meistens ist es so, dass ich die Pferde 1-2 Monate reite und den Kunden dann sage, für was ich glaube, das sie Begabung haben. In den seltensten Fällen wird mir das vorgegeben. Ich rede mit den Kunden, ich schau ja die Pferde immer vorher an, bevor ich sie nehme. Entweder auf Videos oder live und kann dann mit dem Kunden schon reden, was dann in dem Pferd drin steckt.

Es ist ja auch ne finanzielle Geschichte, ob es sich lohnt, das Geld für ein bestimmtes Pferd auszugeben. Ich kann sagen, ein Pferd auszubilden, lohnt sich bei jedem Pferd, ich kann jedes Pferd ausbilden. Aber ob es fürs Turnier reicht? Die meisten meiner Pferde sollen halt aufs Turnier gehen und dort auch gut abschneiden. Es kostet viel Geld ein Pferd auszubilden und auf die Turniere zu gehen. Wenn ich im Vorhinein sage, das wir auch wenn wir das ganze Geld ausgeben würden, nicht competitive auf dem Turnier sind, dann ist mir eigentlich jeder Kunde dankbar. Deswegen versuch das auf einer ehrlichen Art und Weise von Anfang an zu kommunizieren und von Anfang an nen Plan zu machen was die nächsten 12 Monate anbelangt. Das geht ganz gut auf.

Gibt es ein Pferd, wo du als Trainer dich schon mal verschätzt hast?

Oh ja! (Lacht) Mir fällt da jetzt ein Pferd ein, der heißt, Cats Hot Image, ein liebes Pferd. Ein wahnsinnig liebes Pferd, aber er konnte sich gar nicht gut bewegen. Als "Image" zu mir kam hab ich gedacht: ich mach aus dem ein ganz nettes, braves All-Around Pferd - dann hat die Stella (Besitzerin) ein Pferd, mit dem sie ganz viel Spaß haben kann. Es ist ein sehr gutes All-Around Pferd geworden und die Stella hat auch ganz viel Spaß mit ihm, gleichzeitig ist er aber auch wirklich ein guter Beweger geworden. Und 2015 habe ich ihm die DQHA Pleasure Maturity sogar gewonnen und Stella hat die EM in der Youth Pleasure gewonnen. Das hätte ich nicht unterschrieben an dem Tag als er auf den Hof kam.
Da gibt es noch so andere Geschichten…..aber ich muss generell sagen ich bin ein Mensch, der den Ball immer relativ flach hält. Auch bzgl. Versprechungen, die ja nicht nur den Kunden gegenüber, sondern ja auch mir gegenüber gebe. Bisher hat mich fast jedes Pferd positiv überrascht.

Du bist auch oft bei den Jugendturnieren zu finden z. B. beim Jutu in Vaterstetten. Liegt dir die Jugendarbeit besonders am Herzen?

Ja definitiv. Ich war selber mal jung und hab als Jugendliche in der VWB angefangen zu showen, als ich 9 war. Mit 11 war ich das erste Mal VWB Bayrischer Meister und das ist eben wo ich herkomme. Es freut mich einfach die ganzen Kinder zu sehen, die den selben Traum haben, den ich mal hatte. Da helf ich gerne ein kleines Stück auf dem Weg dorthin. Ich muss auch sagen, durch diese Arbeit werde ich auch an meine Jugend erinnert. Es erinnert mich das daran, dass ich innen drin ein kleines Mädchen bin das ihr Pony lieb hat.
Ja wirklich! (lächelt)

Könntest du dir heute einen Jährling aussuchen um ihn zu trainieren aus welcher Blutlinie würde er stammen?

Das wäre ein "RL Best Of Sudden" oder “VS Flatline”.

Hast du Vorbilder und/oder Mentoren, die dich motiviert haben deine Berufung zu solchen Höhen zu führen?

Ich hab das Glück einige Mentoren zu haben und dazu noch viel mehr Vorbilder. Mentoren sind ja alle, die mein Leben tatsächlich beeinflusst haben, dadurch das sie mir Wissen weitergegeben haben. Da müsste ich fast jeden einzelnen Trainer aufzählen, mit dem ich mal zusammen gearbeitet habe und das mach ich sehr gerne: Roger Kupfer, Adi Wagner, Oliver Salzmann, Uwe Roschmann, Rebecca Algar, Keith Long, Stefania Ugolini, Matteo Sala, Michael Colvin, Charlie Cole, Jason Martin, Beth Case, Adam Wainscott, Brad Ost, Ashley Clock und Mirko Müller.

Egal in welchem Moment ich mich grade im Leben befunden hab, haben sie mir immer den nächsten Schritt gezeigt und das ist genau das, was ich auch versuche in meinem Unterricht zu verfolgen. Das man eben den nächsten Schritt macht und die Leute da abholt, wo sie grade stehen. Ich hab sehr sehr viele einzelne Schritte in meinem Leben gemacht mit unterschiedlichen Trainern und bin so Schritt für Schritt für Schritt immer besser geworden.
Vorbilder habe ich noch mehr, eigentlich alle, denen ich beim Reiten zuschaut habe und mir dachte: "So würd ich gern reiten können". Da gibt’s wirklich wahnsinnig Viele. Sowohl hier in Europa, als auch in den USA, das sprengt unseren Rahmen. Die absurdeste Vorstellung an der ganzen Sache ist das ich vor ein paar Monaten mit 19 meiner Vorbilder in einer Arena stand und als Gewinner rausgekommen bin (lächelt). Ist schon ganz schön crazy!

Aber meine größten Mentoren im Leben waren doch die Pferde die ich geritten bin.
Ich hab wahnsinnig viel von schwierigen Pferden gelernt: wie Pferde ticken, wie der Instinkt von Pferden ist, was man beachten muss, wie ich sie lesen kann. Und ich hab ein paar sehr, sehr gute Pferde in meinem Leben reiten dürfen, die mir gesagt haben, wo das Ziel ist, wo ich hin will. Wenn ich reite und ich mir vorstelle auf einem World Champion zu sitzen, dann weiss ich ganz genau, wo es gerade fehlt und wo ich hin will - und was der nächste Schritt ist.

Wie hat sich der Allround Bereich entwickelt seit du mit dem Westernreiten angefangen hast? Hat die selektive Zucht und damit noch bessere Pferde einen höheren Standard gebracht?

Ja, es gab schon in den letzten 25 Jahren eine wahnsinnige Entwicklung, nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Die Zucht hat sich wahnsinnig weiter entwickelt und die Qualität der Pferde wird besser und besser und besser und besser. In jeder einzelnen Disziplin und so auch im All-Around als Gesamtbereich, ist es schon Wahnsinn wo wir angekommen sind. Ich würde jetzt sagen, ich wüsste nicht, was noch wirklich besser werden kann. Wenn man sich das World Champion in der Pleasure anschaut, das ist einfach perfekt. Aber ich bin gespannt wie es in 10 Jahren aussieht.

Vielen Dank für das spannende Interview, liebe Dasi! 

Lisa
Lisa