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Kritik an Monty Roberts - was ist wirklich dran an seinen Methoden?

Kritik an Monty Roberts - was ist wirklich dran an seinen Methoden?

Die meisten Reiter und Pferdefreunde werden ihn kennen - Monty Roberts, oft auch als der "Pferdeflüsterer" bezeichnet. Bereits im Kindesalter kamen viele das erste Mal mit seinem Namen in Berührung. Zwischenzeitlich war es etwas ruhiger um den berühmten Pferdetrainer. Nun steht allerdings wieder eine Deutschland-Tour auf dem Programm und seine Kritiker kommen ebenfalls wieder zum Vorschein. Wer die ein oder andere Diskussion im Social Media verfolgt hat, dem wird schnell bewusst, dass die Reiterszene gespalten ist und teilweise einige Zweifel an seinem Methoden zum Vorschein kommen. Es ist ja nichts Ungewöhnliches, dass die Pferdewelt nicht ganz einer Meinung ist und teilweise äußerst scharfe Kritik übt. Was ist dran an der Kritik an Monty Roberts? Was ist wirklich dran an seinen Methoden? Ein Pferdemann mit einem solchen Erfahrungsschatz, muss doch mehr können, als das was seine Kritiker ihm unterstellen. Unsere Neugier war groß und so haben wir Head Instructor, Denise Heinlein, einmal etwas näher zu den einzelnen Kritikpunkten befragt. 

Liebe Denise, vielen Dank, dass du Dir die Zeit nimmst und Dir die Mühe machst im Detail auf einige der Kritikpunkte einzugehen. Wir haben ja in der Vergangenheit bereits ein Interview mit Dir in unserem Online-Magazin zum Thema (Jung-)Pferde-Ausbildung veröffentlicht. (Wer die Beiträge verpasst hat, kann diese hier noch einmal nachlesen: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4). Du hast ja bestimmt die hitzigen Diskussionen  in den sozialen Medien verfolgt. Wie war deine erste Reaktion?

Die sozialen Medien sind ja bekannt für ausufernde Diskussionen, aber manchmal wundert man sich schon, woher die Anschuldigungen tatsächlich kommen und was die Zuschauer in bestimmte Situationen hineinlesen. Auf der anderen Seite ist es ja auch so, dass es Menschen oft schwer fällt bestimmte Dinge hinzunehmen, wenn diese nicht rational belegt werden können. Mittlerweile gehen die Anschuldigen soweit, dass unterstellt wird Monty verwende ein geheimes Hormonspray, um die Pferde zu beruhigen. Da ist natürlich nichts dran, aber ich bin froh auch einige nicht soweit hergeholte Kritikpunkte erklären zu können.

Dann fangen wir doch am besten gleich an. Wir haben ein paar zentrale und wiederkehrende Kritikpunkte ausgesucht. Die Sache mit dem geheimen Hormonspray ist zwar nicht dabei, aber ich denke, dazu hast du bereits alles gesagt. Ein viel gehörtes Argument ist das die MRM das Pferd im Kreis scheucht, bis sie vor Erschöpfung aufgeben. Kannst du uns dieses Vorgehen erläutern?

Zuerst einmal dauert ein Join Up in der Regel bei einer ausgebildeten Person ca. 5 bis 7 Minuten. Ich würde behaupten, dass selbst wenn ein gesundes Pferd diese Zeitspanne über galoppieren würde, nicht bis zur Erschöpfung gebracht werden könnte. Dabei ist das noch nicht einmal der Fall. Das Pferd wechselt ja währenddessen zwischen Schritt, Trab und Galopp. 

Und um das Join Up noch einmal kurz zu erklären, hier noch die wichtigsten Punkte.
Wir bewegen mit Hilfe unserer Körpersprache das Pferd frei im Round Pen. Das ermöglicht uns, ein Gefühl für das jeweilige Pferd zu bekommen.Was für einen Charakter das Tier hat, wie es auf Menschen reagiert und wie sensibel es ist. Wir erarbeiten uns in feinen Details die Möglichkeit, die Richtung und die Geschwindigkeit des Pferdes zu bestimmen. Jeder ausgebildete Monty Roberts Schüler ist so geschult, dass er bzw. sie die feinen Gesten und Signale eines Pferdes genau lesen kann. 

Der Höhepunkt ist, wenn das Pferd beinahe synchron mit seinen Bewegungen auf den menschlichen Körper reagiert und sich so auf uns einlässt, dass eine Symbiose zwischen Mensch und Pferd entsteht und sich das Tier am Schluss entschließt dem Menschen freiwillig zu folgen. Es ist ein Prozess, mir dem Ziel eine Bindung auf der Basis von Vertrauen zu schaffen und die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd zu fördern. 

Und damit es den Pferden an nichts fehlt, haben wir bei jeder Demonstration einen Tierarzt mit vor Ort, der die Pferde untersucht und begutachtet. Zusätzlich müssen alle eingeladenen Pferde ein tierärztliches Zeugnis mitbringen.

Ein weiterer Punkt in diesem Zusammenhang ist ja oft auch das Round Pen an sich. Das Round Pen macht optisch immer ein bisschen den Anschein eines Käfigs...

Durch das menschliche Auge betrachtet, schaut das transportable Round Pen vielleicht tatsächlich ein wenig wie ein Käfig aus. In unserem Fall ist es aber so konzipiert, dass sich die Pferde auf keinen Fall daran verletzen können. Und die Pferde dürfen es ja nach kurzer Zeit wieder verlassen. Das transportable Round Pen ist aber ein hilfreiches Werkzeug bei unserer Arbeit. Es ist leicht und wir können es überall aufbauen.  Es ist ein sicherer Trainingsplatz im dem wir mit den Pferden arbeiten können. Falls etwas unvorhergesehenes passiert, ist das Tier in einer sicheren Umgebung.  Da wir ja hauptsächlich mit Pferden arbeiten, die leider schon oft schlechte Erfahrungen gemacht haben und Traumata und Fehlverhalten zeigen- oft werden wir als die letzte Chance genannt.

Anti-Schreck-Training | Quelle: Pauline Vogelgsang

Da komme ich gleich zu einem weiteren Punkt mit dem wir oft konfrontiert werden - "wir machen den Pferden Stress". Bitte versucht euch mal in die Lage zu versetzten in die wir oft gebracht werden - „wenn ihr nichts mehr tun könnt, dann muss ich ihn leider verkaufen oder einschläfern, wir haben schon alles versucht“.

So und nun frage ich mich, ob es schlimmer ist, das Pferd in einen Stresszustand zu bringen, der sofort nachlässt, wenn das Pferd auf dem richtigen Weg ist oder ob es besser ist, den Pferden und Besitzern nicht zu helfen? Wer Montys Arbeit genauer betrachtet, sieht, dass der Stress nicht absichtlich kreiert wird. Aber das Pferd muss nun mal mit den Sachen vor denen es Angst hat konfrontiert werden, damit wir es Schritt für Schritt aus seiner Angst oder seinem Verhalten holen können um ihm ein schönes, normales Leben zu ermöglichen.

Was erhofft ihr euch denn durch die Shows? Es wird ja immer schnell von Honoraren und Kommerz gesprochen - ganz unabhängig von Monty. Da Monty ja nun auch schon über 80 Jahre alt ist, scheint es für mich schwer vorstellbar zu sein, alles nur dem lieben Geld wegen zu tun. 

Montys Mission ist es eine bessere Welt für Pferde und Menschen zu hinterlassen, als er sie vorgefunden hat. Dafür ist er unermüdlich unterwegs. Während der Show zeigt er, wie viel man erarbeiten kann, wenn man sich auf das Pferd einlässt. Er geht genau so weit, wie die Pferde es mitmachen, aber eben auch keinen Schritt weniger. Dieses Wissen und das genaue Betrachten der Pferde hat er sich über Jahrzehnte angeeignet und ist ein Meister auf dem Gebiet, die Gesten und die Körpersprache zu lesen und die Pferde immer da abzuholen, wo sie ihn brauchen. Er betont immer wieder, dass es an uns Menschen liegt, die Bedürfnisse der Pferde zu erfüllen und nicht umgekehrt.

Er möchte durch die Shows erreichen, dass Menschen ihre Pferde versuchen zu Verstehen. Auch, dass sich eine gewaltfreie Umgangsweise mit dem Pferd durchsetzt und wir mehr über die Tiere lernen. Wenn man bedenkt, wann er damit angefangen hat und dass er einer der Ersten war, die sich für die Pferde eingesetzt haben, haben sich seine Bemühungen eindeutig schon gelohnt. 

Werden die Pferde denn nach einem bestimmten Schema ausgewählt? Man hört ja tatsächlich oft, den Kritikpunkt, dass Monty bereits im Vorfeld mit den Pferden arbeitet...

Die Behauptung Monty trainiert die Pferde vor der Show ist ja eigentlich ein Kompliment, da er es schafft, dass sich die Pferde in so kurzer Zeit so verwandeln, dass es unglaubwürdig erscheint. Aber dies ist ganz alleine auf die immense Erfahrung zurückzuführen die er mitbringt. Auch unterstützt er alles was er tut mit seiner Körpersprache, was bedeutet, dass er sich ganz bewusst ist, welche Bewegungen er macht und wie er sie gezielt einsetzt, um keine Missverständnisse zu kreieren.

Monty schaut sich jedes Pferd in der Pferdeauswahl an, die am Nachmittag vor der Abendshow stattfindet. Hier beschließt er welches Pferd für die Demonstration am Abend für welches Thema geeignet ist bzw. wie sich am besten zeigen lässt, wie seine Konzepte funktionieren. Wir haben die Pferde nur durch die Anmeldung ihrer Besitzer und mit deren Beschreibung des Problems aussuchen können. Daher ist es wichtig für Monty diese Pferde mit eigenen Augen zu sehen, um beurteilen zu können welches Pferd in der Lage ist, die Veranstaltung am Abend mitzumachen. Die Besitzer kennen ihre Pferde am Besten und suchen bei uns Hilfe, da sie oft nicht mehr wissen, wie sie weitermachen können. Unser Anliegen ist es den Pferden sowie den Besitzern bestmöglich zu helfen.

Gibt es Erfahrungswerte, wie sich die Pferde nach der Show verhalten? Besser oder vielleicht sogar schlimmer als zuvor? Durch die Arbeit mit den Pferden in der Show wird ja lediglich ein erster Schritt in eine neue Richtung unternommen... 

Monty Roberts hat jahrzehntelange Erfahrung mit Problempferden, Jungpferden und Pferden aller Art. Er arbeitet erfolgreich in der ganzen Welt und ist immer mit seiner Mission, die Welt für Menschen und Pferde ein bisschen besser zu machen, unterwegs.

Natürlich ist Monty kein Wunderheiler, das behauptet er auch nicht. Das ein Pferd nach 30 Minuten eingeritten ist, ist ganz klar auch nicht der Fall, aber er zeigt wie viel man mit der richtigen Art und Weise erreichen kann, wenn man sich darauf spezialisiert das Pferd zu lesen. Das Pferd nimmt ein positives Erlebnis mit aus der Show, auf dem aufgebaut werden kann.

Wenn dieser Mann mit seinem Auftreten und seiner Erfahrung ein Pferd in 30 Minuten zu etwas bewegen kann, dann nur, weil er genau weiß was er tut. Dass seine Erfahrung, das Timing und die Reaktion nicht sofort nachzuahmen ist, ist vor allem uns Instruktoren bewusst. Es dauert bis man die Pferdesprache flüssig kann. Klar, kann so ziemlich jeder „Hallo, wie geht es dir“? und „mein Name ist“ ... und „wo bitte ist der Bahnhof" sagen, aber um wirklich in einen Dialog zu treten, dauert es je nach Begabung und Fleiß, Jahre. Das Wahrnehmen all der kleinen Gesten und darauf dann auch noch angemessen zu reagieren, indem man seinen eigenen Körper schult, dauert einfach seine Zeit. Daher ist es kein Wunder, dass der Besitzer sich nicht sofort umstellen kann und die Verhaltensmuster seines Pferdes sofort ändern kann.

Diese 30 Minuten sollen den Besitzern und den Zuschauern einen Lösungsweg zeigen, wie sie mit den jeweiligen Problemen oder Verhaltensweisen umgehen können und was es für Möglichkeiten gibt. Danach sind die Besitzer gefragt, sich diese Ratschläge zu Herzen zu nehmen und ihre Beziehung zu ihren Pferden wieder aufzubauen oder ihre gute Beziehung zu nutzen, um die Problematik durchzuarbeiten. 
Es ist natürlich immer möglich, sich weitere Hilfe bei einem zertifizierten Instruktor zu holen oder sich selbst in den Konzepten, mit dem Belegen von Kursen, fortzubilden. 

Damit kommen wir zum letzten Punkt auf unserer Liste - bei eurer Arbeit mit den Pferden verwendet ihr ja auch ein besonderes Halfter, welches ebenfalls oft in der Kritik steht. 

Genau - das Dually Halfter. Es wurde von Monty entwickelt, um den Pferden, falls die Menschen etwas mehr Einwirkung brauchen und das "normale Halfter" nicht mehr reicht, die Führkette, das Gebiss oder andere schmerzzuführende „Hilfsmittel“, zu ersparen. Es ist ein Trainingshalfter das einen zweiten Nasenriemen hat, den wir als „Schulungsriemen“ bezeichnen. Dieser verursacht gezielten Druck auf das Nasenbein, wenn sich das Pferd widersetzt sorgt aber auch für sofortigen Drucknachlass, wenn das Pferd kooperiert. Als Pferdeexperte ist es ganz klar, daß man kein Druckhalfter braucht, um dem Pferd etwas beizubringen. Andererseits würde man dann ein Druckhalfter auch absolut unproblematisch verwenden können.

Das Dually - Halfter | Quelle: Pauline Vogelgsang

Man kann auch mit einem Stallhalfter schaden zufügen, wenn man sich nicht richtig verhält. Es ist immer die Hand, die das Trainingsequipment führt und es muss diese Hand geschult werden, pferdegerecht zu handeln.

Montys Konzepte beinhalten, wie jedes andere Konzept, die Lerntheorien von klassischer und operanten Konditionierung. Bei der operanten Konditionierung erfolgt eine Verstärkung auf eine gezeigte Verhaltensweise. In unserem Fall u. a. die Anwendung des Dually Halfters, was mit Druck Aufbau und Drucknachlass funktioniert ohne Schmerzen zu verursachen. Die Pferde lernen, durch das eigene Verhalten positive bzw. angenehme Konsequenzen herbeizuführen und unangenehme Konsequenzen zu vermeiden bzw. zu verringern.

In Montys Worte gefasst das PICNIC : positiv instant consequences and negativ instant
consequences. 

Somit ist es für die Pferde ein Leichtes, den Weg des geringeren Widerstands zu finden und bei konsequenter Handhabung dem Weg der "positive instant consequences" zu folgen. Pferde lernen nicht von dem Druck, sondern vom Drucknachlass. Mit viel Lob und Verständnis macht das Lernen einfach mehr Spaß!

So viele Einblicke in eure Methoden. Vielen Dank für deine Zeit und die ausführlichen Erklärungen zur Kritik an Monty Roberts. Vielleicht kann der ein oder andere nun die Methoden ein bisschen besser nachvollziehen.

Nach unserem Interview hat ein längeres Gespräch mit Monty Roberts stattgefunden und es wurde beschlossen zwei Personen einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen der Show in Ohlstadt (Schwaiganger) am 27. Oktober 2018 zu gewähren. 4Hooves verlost die Teilnahme auf unserer Facebook-Seite. Die Gewinner erhalten exklusiven Zutritt zum Backstage-Bereich, 2 Zuschauer-Tickets für die Show und die Möglichkeit Monty Roberts persönlich kennenzulernen und ihm Fragen zu stellen. Wir werden euch natürlich begleiten und die Momente für euch festhalten. Die Reisekosten und Anreise müssen von den Gewinnern Teilnehmer selbst getragen werden. Wer mitmachen möchte, kommentiert einfach den Beitrag bis zum 18. Oktober um 23:59 Uhr und sagt uns wer euch zum Event begleiten soll. Die Gewinner werden schriftlich von uns ab dem 19. Oktober benachrichtigt. Viel Glück!

Photo Credit: Katrin Junker

Henny Klein
Henny Klein