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Mustang Make Over Germany - Wir sind dabei!

Mustang Make Over Germany - Wir sind dabei!

Einige von Euch haben es vielleicht schon mitbekommen - 4Hooves hat die Patenschaft eines der Event-Mustangs beim Mustang Make-over Germany übernommen. Bereits auf der EQUITANA in Essen haben die ersten Gespräche über verschiedene Möglichkeiten einer Kooperation stattgefunden. Für uns war klar, dass wir nicht einfach Summe X zahlen wollen, sondern "live" dabei sein wollen - nicht nur beim Event am 5. und 6. August in Aachen, sondern bereits ab dem ersten Tag.

Bereits vor Ankunft der Mustangs haben wir unsere Wahl getroffen - wir haben nicht den Trainer, sondern den Mustang in den Vordergrund gestellt und uns auf unser Bauchgefühl verlassen. Für uns ist das Event eine Herzensangelegenheit! Auch wenn das Mustang Makeover Germany so kontrovers und heiß diskutiert wird, wie kaum ein anderes Thema in den sozialen Medien, wollten wir Teil des Ganzen sein. Nicht aus Marketingzwecken, sondern weil wir es wichtig finden, auf die Situation der Wildpferde in Nordamerika aufmerksam zu machen und aufzuklären. Kritiker werden jetzt sagen, es gibt überall verwahrloste Tiere, die keinen Platz haben auf dieser Welt, und damit haben sie alle Recht. Aber irgendwo muss man ja beginnen. Auch jetzt wird es Menschen geben, die sich darauf berufen, dass man den Tieren keinen Gefallen tut. Und hier genau setzen wir an und werden in den kommenden Wochen das Thema "Mustang" etwas genauer beleuchten - denn darum geht es uns.

Svea & Flame vom Mustang Makeover Germany Svea mit Flaming Four Hooves | Quelle: Lichtbildzeichnerin

Heute dürfen wir euch erst einmal unser Patenkind "Flaming Four Hooves" (Rufname: Flame) vorstellen. Sie wird von Trainerin Svea Kreinberg trainiert und lebt sich immer besser ein. Wir haben die beiden getroffen und konnten uns selbst ein Bild von der bildhübschen Stute machen. Aber lest selbst.

Zu Besuch bei einem Mustang

Das erste Mal einen Mustang zu treffen, war schon immer ein Traum. Entsprechend aufregend war die Fahrt über 700 km von München nach Niedersachsen, wo Flame bei Trainerin Svea Kreinberg untergebracht ist. Kaum auf dem Hof angekommen, haben wir sie gesehen - die Kleine ist ein richtiger Blickfang mit ihrer breiten Blesse. Seelenruhig stand Flame auf ihrem Paddock und kaute an ihrem Heu. Entsprechend gering war das Interesse an uns. Aber auch ein schöner Anblick, da die Stute bei ihrer Ankunft doch etwas zu dünn war. Wie ihre Mustang-Kolleginnen war knapp 1,5 Jahre in einer Auffangstation in den USA, bevor sie nach Deutschland gebracht wurden. Manche Pferde erleben dort oft traumatische Erlebnisse, und reagieren ganz unterschiedlich darauf. Aber dazu mehr in unserem nächsten Teil.

Zurück zu Flame. Da es schon spät war, haben wir die Stute mit ihrem Heu allein gelassen und uns mit Svea unterhalten. Wir waren neugierig und haben sie mit unseren Fragen gelöchert.

Du bist ja erst kurz vor Beginn zum Mustang Makeover für einen anderen Trainer eingesprungen. Wie kam es dazu bzw. was war dein Beweggrund einen der Mustangs bei Dir aufzunehmen?

Natürlich hat es seinen ganz besonderen Reiz mit einem Wildpferd zu arbeiten, welches ganz anders aufgewachsen ist, als unsere domestizierten Pferde. Wir haben immer viel mit Jungpferden gearbeitet und haben immer selbst gezüchtet, aber einen Mustang auszubilden, ist schon etwas Besonderes. Was mir dabei allerdings wichtig war, ist die Tatsache, dass das Event so angelegt ist, dass es zwar Aufgaben gibt, die zu bewältigen sind, aber alles ohne (Erfolgs-)druck. Es kommt eher auf Vertrauen, Fair Play und Teamgeist an. Und die Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd ist etwas worauf ich persönlich auch in meiner Arbeit einen hohen Stellenwert lege.

Hast du einen Unterschied festgestellt zwischen der Arbeit mit Flame und den anderen Jungpferden, die du sonst anreitest und ausbildest? 

Natürlich. Schon die Ausgangsbasis ist eine ganz andere. Als Flame bei uns ankam, kannte sie nur das Halfter und das Anfassen am Kopf. Unsere Fohlen kannten den Menschenkontakt vom ersten Tag an und waren auch durch die Elterntiere an den Umgang gewöhnt. Alles was wir mit unseren Pferden als selbstverständlich ansehen, wie z. B. das Streicheln am Hals, ist für ein Wildpferd eine besondere Herausforderung. Insgesamt ist Flame aber sehr neugierig und lernt schnell. Aber wir machen auch Alles in ihrem Tempo. Sie ist vom Wesen her ein bisschen dominant und zeigt mir ganz deutlich, wenn sie etwas nicht möchte. Nicht auf eine böse Art und Weise, aber schon bestimmend. Dann gehen wieder einen Schritt zurück und beim nächsten Mal klappt es dann schon besser. Sie braucht einfach das Vertrauen. Und sie hat ihren festen Tagesablauf und Rituale (lacht).

Mit Tagesablauf meinst du, dass du einen festen Ablauf hast, dass sie sich an die Routine gewöhnt?

Nein. Damit meine ich, dass Flame einen eigenen Charakter hat. Sie bekommt morgens mit den anderen Pferden ihr Heu. Dann frisst sie für ca. eine Stunde und legt sich anschließend auf ihren Stammplatz und schläft. Sie schläft sehr viel und liegt oft. Am Anfang hatten wir einen Tierarzt am Stall, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist mit ihr. Es fehlt ihr nichts. Ich glaube, dass sie es vielmehr genießt, keine Rangordnung ums Futter einhalten zu müssen und einfach Ruhe hat. Das dürfte in der Auffangstation etwas anders gewesen sein. Zumal glauben wir, dass sie bereits in sehr jungen Jahren ein Fohlen hatte. Außerdem hat sie bestimmte Rituale. Zum Beispiel wälzt sie sich, wenn ich mit ihr in die Halle gehe. Oft bleibt sie liegen und ruht sich aus. Dann kann ich mich daneben setzen und anfangen sie zu putzen. Das ist für mich echtes Vertrauen. Schon viele Hauspferde lassen das nicht zu, aber bei einem Wildpferd so auf Tuchfühlung zu gehen, ist ein tolles Gefühl.

Sehr schön, dass du ihr soviel Zeit gibst, wie sie braucht. Das zahlt sich sicher aus. 

Ja, das denke ich auch. Wir haben ihr von Anfang an, den Zugang zu vielen neuen Sachen ermöglicht. Beispielsweise gehen wir auf den Trailplatz oder in den See. Der Trailplatz ist mittlerweile zu unserer sicheren Basis geworden. Wenn beim Reiten etwas Neues dazukommt, was Flame noch nicht kennt und so vielleicht unsicher wird, hören wir auf und gehen auf den Trailplatz. Dort kennt sie sich aus und schöpft von Mal zu Mal mehr Vertrauen. Die Wippe meistert sie mit Bravour.

Neben dem Reiten und dem Gewöhnen an Alltagssituationen, wie sieht euer Training aus?

Ich achte sehr darauf, dass Flame viele Dinge kennenlernt und ich sie so gut es geht auf den Alltag bei ihren neuen Besitzern vorbereite. In vielen Alltagssituationen ist sie bereits ganz souverän. Ein Termin beim Hufschmied, Einsprühen mit Fliegenspray oder Abspritzen ist kein Problem mehr für sie. Dann gehen wir viel Spazieren, auf den Trailplatz und natürlich in den See. Das ist besonders im Sommer eine schöne Sache. Die Arbeit vom Boden aus, gestalte ich auch sehr vielseitig. Ich arbeite viel an der Doppellonge und zu Beginn auch mit unserer Heu-Reiterpuppe "Sophie", bevor Flame sie angefressen hat. (lacht) Beim Reiten arbeiten wir an einer guten Basis und steigern uns Schritt für Schritt. Wie gesagt, mir ist es besonders wichtig, dass sie nicht überfordert ist.

Volles Vertrauen bei einem Bad im See, Svea mit Patenmustang Flaming 4Hooves | Quelle: 4Hooves Volles Vertrauen bei einem Bad im See, Svea mit Patenmustang Flaming 4Hooves | Quelle: 4Hooves

Das hört sich nach einer tollen Basis an und einer sehr emotionalen Beziehung an. Fällt es Dir da nicht schwer, sie wieder abzugeben? 

Ja, das stimmt. Obwohl es von Beginn an klar war, dass Flame, wie die anderen Mustangs, auf dem Event versteigert werden soll, wird es sicher nicht einfach sich wieder von ihr zu trennen. Man wächst einfach zusammen. Und wenn ich daran denke, wo wir angefangen haben und wie weit wir jetzt schon gekommen sind, ist es schon ein besonderes Gefühl. Die Bindung, die wir aufgebaut haben, ist wirklich besonders und auch das Vertrauen, dass Flame mit jeden Tag schenkt ist einfach unbeschreibliches Gefühl.

Was würdest du Dir denn für Flame und ihre neuen Besitzer wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass sie Besitzer bekommt, die auf Flame Rücksicht nehmen. Mustangs sind schon aufgrund ihrer Herkunft und ihrer ersten Lebensjahre etwas speziell. Darauf muss man einfach etwas Acht geben und entsprechend Rücksicht nehmen. Appaloosa sind von ihrem Wesen vielleicht etwas vergleichbar. Ähnlich den Mustangs, sind Appaloosa auch keine Pferde für jedermann. Nicht, weil sie besonders schwierig sind, sondern weil sie von ihrem Charakter her, etwas sensibler sind, als viele andere Pferderassen. Sie brauchen zum Beispiel einen festen Bezugspunkt, dem sie vertrauen. Ist das Vertrauen aufgebaut und haben sie ihren Menschen gefunden, sind es richtige Partner und wie ein Spiegel. Es macht Spaß auf dieser Ebene zu arbeiten, allerdings braucht es dazu jemanden der bereit ist, auch diese Emotionen zu zulassen und sich auf das Pferd einzustellen. Ist das gegeben, haben die neuen Besitzer viel Spass an Flame.

Interessant, dass du den Vergleich zu den Appaloosa ziehst. Ich als Appy-Besitzer kann das nur unterschreiben. Sie sind speziell, aber tolle Tiere, in jeder Hinsicht. Allerdings braucht es tatsächlich mehr Arbeit in Richtung Vertrauen, als bei anderen Pferden, die ich bisher kennengelernt habe und geritten bin. Vielen Dank für das Interview und die Möglichkeit euch beiden einmal vor dem Event über die Schulter schauen zu können.

Für alle, die wissen wollen was es mit der Situation der Mustangs in Amerika auf sich hat und Erfahrungsberichte von Mustang Besitzern lesen möchte, kann die nächsten Wochen unser Magazin verfolgen. Wer sich für Training und Kursen mit Svea Kreinberg interessiert, findet auf ihrer Website weitere Informationen.

Henny Klein
Henny Klein