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Saddle Fitter, Sattler & Co. - wo ist eigentlich der Unterschied?

Saddle Fitter, Sattler & Co. - wo ist eigentlich der Unterschied?

Jedes Reitpferd und jeder Reiter braucht einen passenden Sattel. Doch wer kann einen Reiter am besten beraten und wer kennst sich gut mit der Anatomie des Pferdes aus? Wir haben bei Thorsten Däubler von Saddles 'n Arts einmal nachgefragt und uns den Unterschied von Saddle Fitter, Sattler und Sattelverkäufer erklären lassen. 

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte es kaum jemanden (vom Amateur- bis hin zu wohl bekannten Profireitern) interessiert, oder es war einfach nicht bekannt, dass ein Sattel Pferd und Reiter passen soll.

Vor dem Krieg war es anders in Europa. Nach dem Krieg ist ganz viel Wissen um die Ausrüstung mitsamt den allmählich aussterbenden alten Sattlern verloren gegangen. Als sich in den 70er und 80er Jahren der Pferdesport langsam zu einem Breitensport entwickelte, wurde in der Ausrüstungsindustrie das Rad quasi neu erfunden und Ausrüstungsgegenstände eher den Reiterbedürfnissen als auch der Anatomie der Pferde entsprechend entwickelt.

Sattel-Aufmaß Termin beim Saddle Fitter | Quelle: Saddles 'n Arts
Bestenfalls sahen Pferde mal einen Osteopathen, oder den Tierarzt. Seit diesen Tagen hat sich viel getan. Eine ganze Reihe unterschiedlicher Berufsgruppen der Pferdeindustrie haben sich zwischenzeitlich zusammengeschlossen und sich dem Thema angenommen. Ein weiterer Spezialberuf in der Reitindustrie wurde geschaffen – der Saddle Fitter. Bewusst wird hier nicht von einem Sattelanpasser gesprochen, um keine Missverständnisse zu begünstigen. Wir kommen später noch darauf, warum das eine nicht wirklich mit dem anderen zu vergleichen ist.

Als Reiter hat man es in der Regel mit einem von drei Personen zu tun. Zum einen dem Sattler, dem immer häufiger auftretenden Saddle Fitter und nicht zuletzt dem klassischen Verkäufer. Der folgende Beitrag stellt diese drei Berufe vor.

Der Sattelverkäufer

Handelt es sich hierbei zunächst um den sogenannten Reitsportfachverkäufer, so muss ganz klar gesagt werden, dass wirklich jeder, der Lust und Laune hat, Sättel verkaufen kann. Häufig gehen passable Reiter dazu über, oder betreiben dies zusätzlich nebenbei.

Sattelverkäufer sind häufig auf theoretischem Gebiet erfahren, wissen für welche Disziplin ein Sattel geeignet ist und die Vorzüge/Unterschiede von einem Model gegenüber dem anderen. Das ist ihr Fachgebiet.

Der Sattler

Das Sattlerhandwerk unterteilt sich in verschiedene Bereiche für die sich die Lehrlinge bereits zu Beginn ihrer Ausbildung entscheiden müssen. Neben der Reitsportsattlerei sind dies Autosattlerei und Feintäschnerei. Es gibt zahlreiche Sattler, die nach Abschluss ihrer Ausbildung das Fachgebiet wechseln. Darüber hinaus ist es problemlos möglich als Quereinsteiger mit einer abgeschlossenen handwerklichen Berufsausbildung, soweit sie ein anerkannter Ausbildungsberuf ist, direkt den Meisterkurs zu besuchen und direkt Sattlermeister zu werden.

Was sich leicht anhört, ist dann aber doch etwas komplexer. Als Meisterprüfling in der Fachrichtung Reitsportsattlerei muss entweder ein Sattel oder ein Fahrgeschirr in nicht mehr als 6 Arbeitstagen, also theoretisch 48 Stunden hergestellt werden. Das ist durchaus gut zu schaffen.

Nach der Prüfungsordnung sollen die Reitsportsattler zu folgendem in der Lage sein:

- Sättel, insbesondere unter Berücksichtigung anatomischer, ergonomischer und technischer
- Anforderungen, entwerfen, planen, herstellen und anpassen. Reit- und Fahrsportzubehör
- sowie Sportartikel mit Leder und technischen Textilien planen, herstellen und instand halten.

Aus dieser Beschreibung wird deutlich, dass auch Quereinsteiger ein sehr hohes Lernpensum an den Tag legen müssen, um diesen Fähigkeiten gerecht zu werden. Nicht vergessen werden darf hier, dass der Sattlermeister nicht zwingend Reiter sein muss. Er muss die Grundlagen der Anatomie kennen, sonst könnte er sie nicht in seine Arbeitsüberlegungen miteinbeziehen, aber wie eine Taktunreinheit in den verschiedenen Gangarten des Pferdes aussieht und woher sie rührt, muss er nicht wissen. Er muss auch nicht wissen, ob und wie beispielsweise die Haltung, Fütterung, das Training und die Hufbearbeitung/-stellung Einfluss auf das Pferd nehmen.

Am Beispiel der Sattlerei Max Benz in München, haben wir bereits über den Beruf berichtet. Wer den Bereich verpasst hat, kann ihn hier noch einmal nachlesen. 

Nicht zuletzt muss erwähnt werden, dass es viele Sattler gibt, die keine Pferdefachleute sind. Ihr Fachgebiet ist die handwerkliche Herstellung. Hier gibt es zwei Idealkonstellationen, die Pferd und Reiter am ehesten unterstützen können:

1. Einen Sattlergesellen/-meister, der selbst Pferdefachmann ist und sich diesbezüglich weiterbildet und/oder im Idealfall selbst guter Reiter ist.

oder

2. Einen Sattlergesellen/-meister, der eng mit einem Saddle Fitter zusamenarbeitet.

In jedem Fall ist eine gute Kommunikation zwischen Reiter und Sattler, bei besonderen Ansprüchen evtl. auch unter Hinzuziehnung anderer Gewerke wie Hufschmied/Hufbearbeiter, Trainer, Physiotherapeut und/oder Osteopath, absolut unersetzlich. Auch der Dialog zwischen Sattlern und Saddle Fittern ist überaus wichtig und es ist sehr erfreulich, dass dies auch in Deutschland und nicht nur im Ausland immer mehr zum Normalfall wird.

Der Saddle Fitter

So wie sich einige Sattler auf den Bau von Sattelbäumen spezialisiert haben und sich der Beruf des Sattelbaumbauers entwickelte, so haben sich auch einige Sattler der Passform eines Sattels verschrieben. Mit der Zeit kamen Quereinsteiger hinzu und inzwischen wurde ein komplett eigenes Berufsbild geschaffen. Einen sehr großen Anteil bilden Quereinsteiger, da es den Lehrberuf als solches in Deutschland nicht und selbst in Großbritannien kaum gibt.

Saddle Fitter sind die Fachleute für die Passform des Sattels für Pferd und Reiter. Während wir inzwischen gelernt haben, dass Menschen unterschiedlicher Figur und Form unterschiedliche Sitzflächen und -formen bevorzugen bzw. benötigen und diese direkt fragen können, haben wir diese Möglichkeit beim Pferd gerade nicht. Umso wichtiger ist es, dass der Saddle Fitter ein sehr großes Wissen über Pferde, Reitstile, Ausrüstung, Bewegungsenergie zwischen Mensch und Pferd und der Bewegungslehre an sich hat. Der Fitter muss wissen, wie sich welche Rasse bewegt und warum. Blutlinien bzw. Abstammungen spielen hierbei eine eher untergeordnete Rolle.

Bei seiner Beurteilung des Pferdes sollte er eine konkrete Vorstellung über die künftige Entwicklung des Pferdes haben. Hierzu sind weitreichende Kenntnisse, nicht nur in Bezug auf das jeweilige Pferd, sondern auch zu Reiter/n, Haltung und Ausbildung notwendig. Bereits an dieser kurzen Erklärung wird deutlich, warum wir eingangs die Unterscheidung von Saddle Fitter und Sattelanpasser getroffen haben. Von einem Saddle Fitter wird deutlich mehr verlangt, als es auf den ersten Blick scheint.

An diesem Punkt muss erwähnt werden, dass die meisten Saddle Fitter sich auf Englischsättel spezialisieren. Aus diesem Bereich stammt der Beruf ursprünglich. Bislang kümmern sich nur wenige um Westernsättel und noch weniger um beides.

Der Saddle Fitter muss vieles wissen und beurteilen können, das in andere Berufsfelder der Pferdeindustrie fällt. Somit ergeben sich viele Schnittmengen und macht deutlich, warum die aktuellen Saddle Fitter oftmals aus anderen Bereichen der Pferdeindustrie kommen und sich später für das Saddle Fitting entschieden haben. Sie müssen im Sinne des Kunden und nicht zuletzt des Pferdes zunächst eine Ausgangssituation feststellen und diese auch auf ihre Ursachen hin beurteilen können. Gleichwohl dürfen sie keine Diagnosen stellen. Diese sind und bleiben den Tierärzten vorbehalten.

Ein guter Saddle Fitter muss über folgende Kenntnisse verfügen:

- Anatomie und Biomechanik, sowie trainingsbedingte Entwicklungsstadien des Pferdes
- Anatomie des Reiters
- Grundkenntnisse in Haltung und Fütterung
- Grundkenntnisse in Hufbeurteilung (wünschenswert)
- Grundkenntnisse in der Pferdeausbildung
- Korrekter und sicherer Umgang mit Pferden
- Praktische Rückenuntersuchung
- Sattelarten und deren Einsatzgebiete sowie deren Aufbau und Innenleben
- Beurteilung unterschiedlichster Sättel auf dem Pferd unter Berücksichtigung der
jeweiligen anatomischen Voraussetzungen
- Beurteilung und Ausführung notwendiger und möglicher Veränderungsmaßnahmen am
Sattel, nötigenfalls unter Hinzuziehung eines Sattlers zur Ausführung
- Führung eines sinnvollen Protokolls zur jeweiligen Beurteilung und fortwährenden Betreuung der Kunden

Diese Auflistung ist nicht abschließend. Sie stellt lediglich die Mindestanforderungen, sowie nur die Überbegriffe der jeweiligen Themen dar. In folgenden Beiträgen werden diese näher beleuchtet. Wir werden uns auch mit dem Ausbildungsplan für Sattler befassen.

Der Saddle Fitter ist ein Beruf, den man eben gerade nicht mal so nebenbei erlernt. Er ist ein Spezialberuf mit dem Reiter in Zukunft immer mehr und mehr zu tun haben werden. Auch Sattler bilden sich in diesem Bereich zunehmend fort und müssen dies auch im Interesse des Reitsports tun.

Henny Klein
Henny Klein