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Reiten

Training im Gelände mit Anna Jantscher

Training im Gelände mit Anna Jantscher

Wie ihr wisst binden wir unsere Community so gut es geht in unsere Themenplanung mit ein. Eines der beliebtesten Themen ist das Training im Gelände. Also haben wir uns auf die Suche gemacht passende Tipps für euer Training im Gelände herauszufinden. Dieses Mal haben wir Anna Jantscher gefragt und ein paar spannende Punkte herausfinden können. Aber lest am besten selbst. 

Warum ist die Arbeit im Gelände so wichtig?

Das Training im Gelände und mit Hindernissen, die Balance und Gleichgewicht der Pferde auf spielerische Art fördern, bilden seit Jahren einen extrem wichtigen Bestandteil meiner Arbeit mit den Pferden.

Durch die Haltung (oft sogar schon sehr junger Pferde) in Boxen und auf hauptsächlich aufbereiteten Böden (-befestigte Paddocks, Ausläufe, gerade und ebene Koppeln) nimmt die Arbeit im Gelände an Bedeutung zu. Gruppenhaltung wird oft als zu riskant angesehen, was aber auch bedeutet, dass man den Pferden die Möglichkeit nimmt sich im Spiel mit Artgenossen zu entwickeln (körperlich wie psychisch). Das Training findet größtenteils auf perfekten Hallen- und Reitplatzböden statt (was DURCHAUS seinen Platz und seine Notwendigkeit hat!). Selbst beim Ausreiten stehen den meisten Reitern hauptsächlich relativ ebene Feldwege und Ähnliches zur Verfügung.

Geländetraining

Das hat auf unsere Pferde leider den gleichen Effekt, den es auch auf uns Menschen hat. Unsere Sehnen, Bänder und Gelenke werden “verweichlicht”. Fehlt der Reiz, hat der Körper keinen Anreiz etwas zu unternehmen. Die Sehnen und Bänder bleiben schwach und damit anfällig für Verletzungen. Die Gelenke sind instabil, da wenig bis kaum Reize an die kleinen Muskeln gestellt werden, welche aber wichtig wären um den ganzen Apparat zu “puffern” und z.B. Stöße abzufedern, Umknicken muskulär aufzufangen etc. etc. Eine Sehne, die ständig kleinen Kippbewegungen ausgesetzt ist, ist viel robuster und flexibler.

Schon ein Haufen Gründe sich mal mit Gelände- und Balancetraining auseinanderzusetzen, oder?

Und da habe ich noch gar nicht angefangen darüber zu schreiben wie viel Spaß es machen kann und wie gut es auch für die Psyche und das Selbstbewusstsein (nicht nur :-)) der Pferde ist.

OK, das hört sich alles sehr gut an, aber wie kann man beginnen?

Jedes Gelände ist anders und oft höre ich “Bei uns gibt es kein schönes, interessantes oder anspruchsvolles Gelände.” oder “Wenn man bei uns die Wege verlässt, steht sofort der Bauer mit der Mistgabel hinter uns oder der Jäger mit dem schon geladenen Gewehr.” Es ist wirklich wichtig, nicht einfach querbeet durchs Gelände zu heizen. Denn dieses Verhalten führt natürlich (verständlicher Weise) zu Unmut bei Landwirten, Jägern, Spaziergängern, etc. Rücksicht ist oberstes Gebot, und Flurschäden sind unter allen Umständen zu vermeiden!

Mein Tipp: Redet mit den Leuten. Vielleicht erlaubt der benachbarte Landwirt das Benutzen der Wiese/-des Feldes nach dem letzten Schnitt/-der Ernte. (evtl. auch gegen ein kleines Entgelt - auf fremden Anlagen fallen ja auch Benutzungsgebühren an, über die sich niemand beschweren würde)  Sprecht den Waldbesitzer an, ob ihr evtl. neben dem offiziellen Weg einen kleinen Trailweg bauen dürft. Sprecht euch mit den Jägern ab und sichert ihnen zu, z.B. nicht in der Dämmerung zu reiten, etc. Und natürlich immer gut: -den gesunden Menschenverstand anschalten - Hat es geregnet? Ist es matschig? Kann ich Flurschäden verursachen?

So einfach lässt sich meist für gute Stimmung sorgen, und fast immer finden sich hier schon Lösungen. Ist das alles keine Option, heißt es kreativer werden. Gibt es vielleicht eine Koppel, die man nutzen könnte? Den einen oder anderen Straßengraben? Eine Kiesgrube, in die man sich am Wochenende einmieten könnte? Oder einfach mal den nächsten Extreme Trail besuchen, und vielleicht kann man ja das ein oder andere Hindernis zuhause ganz einfach nachbauen.

Training im Gelände

Wenn ich einen Ort oder ein paar Hindernisse gefunden habe, beginne ich besonders mit unerfahrenen Pferden gerne an der Hand bzw. an der Longe. So hat nicht nur das Pferd die Möglichkeit sich ohne das zusätzliche Gewicht durch den Reiter und den deutlich nach oben verlagerten Schwerpunkt auszubalancieren, sondern auch wir Reiter können erst mal schauen wie sich unser Pferd so verhält. Wie ist seine Balance? Wie verhält es sich in kritischen Situationen? Wird es hektisch oder gar kopflos? Will es schneller werden? Oder bleibt es eher stehen oder wird langsamer? Denkt es mit? Oder möchte es sich gar rückwärts entziehen und aus der Situation flüchten, wenn ich es mit etwas Unbekannten konfrontiere? Wird es schneller weil es Angst hat, Freude oder Übermut hat oder ist es einfach noch zu unausbalanciert?

Das alles sind wichtige Infos, die uns helfen werden, das Training im Gelände bestmöglich auf unser Pferd, seinen Charakter und seinen Körper abzustimmen. Das Gelände, und vor allem Balancehindernisse, können entweder als einzelne Übungen gesehen werden oder tatsächlich ins Training integrierbar sein.

Ich arbeite meine Pferde z. B. regelmäßig dressurmäßig auf unseren Wiesen. Hier lassen sich durch Gefälle und Anstiege sowohl Schub- als auch Tragkraft enorm verbessern. Seitengänge, gezählter Schritt, Galopparbeit bis hin zu Passage und Piaffe können enorm profitierten und an Ausdruck gewinnen.

Es erfordert nicht nur vom Pferd sondern auch vom Reiter ein hohes Maß an Konzentration und Gleichgewicht. Meist wird man anfangs sehr unsanft auf Gleichgewichtsmankos hingewiesen und hat das Gefühl überhaupt nichts mehr von dem zu können was auf dem Reitplatz noch problemlos funktioniert hat. Aber wer sich durchbeißt wird belohnt! Versprochen!

Wenn ihr Feuer gefangen habt, folgt uns gerne auf FB oder Instagram, dort gibt es ab dem 1. Dezember als “Adventskalender” jeden Tag bis Weihnachten einen kleinen Praxistipp zum Thema “Gelände- und Balancetraining”!

Oder ihr folgt diesem Blog, in dem ich in den nächsten Beiträgen etwas genauer unterscheiden werde zwischen Dressurtraining im Gelände, Gelände- und Balancehindernissen und Anfängen und Einführungen ins Gelände für junge und unerfahrene Pferde.

Viel Spaß beim Training! Wir freuen uns schon auf die nächsten Beiträge. :)

Wer noch weitere Beiträge zum Training im Gelände lesen möchte, wird hier fündig.

Henny Klein
Henny Klein